Autonutzung auf längeren Strecken

Im Juli 2010 beauftragte die deutsche internet versicherung ag die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), im Rahmen einer repräsentativen Befragung die Nutzung alternativer Verkehrsmittel durch Autofahrer zu ermitteln.

Die Grundgesamtheit dieser Untersuchung umfasste ausschließlich PKW-Fahrer im Alter ab 18 Jahre - repräsentativ für 45,5 Mio. PKW-Fahrer der Wohnbevölkerung in Privathaushalten (Deutsche und EU-Ausländer). Daraus wurde eine repräsentative Stichprobe im Umfang von ca. 650 Personen gezogen.

Frage und Antwortmöglichkeiten

Lassen Sie Ihr Auto für längere Strecken (mehr als 300 Kilometer) heute öfters stehen als früher und nutzen stattdessen andere Verkehrsmittel?

  1. Ich nutze für längere Strecken immer das Auto
  2. Ich nutze auch für längere Strecken meistens das Auto, nutze aber andere Verkehrsmittel heute öfters als früher
  3. Ich nutze für längere Strecken heute meistens andere Verkehrsmittel
  4. Weiß nicht / keine Angaben

1) Zusammenfassung

Von allen Befragten gaben 67,6 Prozent an, auch für längere Strecken über 300 Kilometern immer das Auto zu benutzen. 21,5 Prozent nutzen heute öfters als früher auch andere Verkehrsmittel. Immerhin 9,9 Prozent gaben an, dass sie heute für längere Strecken meistens andere Verkehrsmittel nutzen.

Signifikante Unterschiede ergeben sich unter Berücksichtigung soziodemografischer Merkmale wie Alter, Einkommen, Bildungs- und Berufsstand, Größe des Wohnortes, Schulbildung und Kinder. Denn: Je größer der Wohnort, je höher Einkommen und Bildungsabschluss sind, desto größer ist die Bereitschaft zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel. Bei Familien mit Kindern ergibt sich ein gegenteiliges Bild: sie reisen überdurchschnittlich viel mit dem Auto.

Und je älter die Befragten sind, umso höher ist auch die Bereitschaft zur Nutzung anderer Verkehrsmittel. Frauen sind eher bereit zum Gebrauch von Bahn und Flugzeug als Männer. In ländlich geprägten Bundesländern ist die Autonutzung häufiger als in Stadtstaaten. Ebenso zeigt sich eine tendenziell höhere Autoaffinität im Osten als im Westen.

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2) Die Ergebnisse im Einzelnen

Alter

Mit zunehmendem Alter steigt die Bereitschaft zur Nutzung alternativer Verkehrsträger. Gerade die als reisefreudig bekannte Altersgruppe der 60 bis 69-Jährigen nimmt nur noch zu 61,3 Prozent für längere Strecken immer das Auto. Dem gegenüber lassen 23,6 dieser Alterskohorte heute das Auto öfters stehen und steigen auf Bahn und Flugzeug um. Sogar 14,4 Prozent nutzen heute meistens andere Verkehrsmittel. Bei den über 70-Jährigen verstärkt sich dieses Verhalten noch; vermutlich aus gesundheitlichen Gründen.

Signifikante Abweichungen zeigt die Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen. 78,5 Prozent gaben an, immer das Auto zu nutzen. Das sind 10,8 Punkte über dem Durchschnitt von 67,6 Prozent. Immerhin 17,3 Prozent nutzen heute jedoch auch häufiger die Bahn oder andere Verkehrsträger als früher. Eine Interpretation dafür ist, dass diese Altersgruppe mitten in der Familienphase steht und oftmals kleine Kinder hat. Dieses Mobilitätsverhalten lässt vermuten, dass das Reisen mit Kindern im Auto aus Kosten- und Flexibilitätsgründen die erste Wahl für Familien ist.

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Haushaltsgrößen

In Ein-Personen-Haushalten ist die Bereitschaft, auf Bus, Bahn und Flugzeug umzusteigen, tendenziell höher als in Vier-Personen-Haushalten. 78,4 Prozent dieser Familienhaushalte nutzten ausschließlich das Auto, während ganze 25 Prozent der Singles heute öfters als früher andere Verkehrsmittel wählen. Sogar 14,1 Prozent geben an, heute meistens alternative Verkehrsmittel zu nutzen.

Ortsgrößen

Überdurchschnittlich hoch ist die Autonutzung in ländlich geprägten Gegenden mit Ortsgrößen unter 5.000 Einwohnern. 77 Prozent der Befragten aus kleinen Gemeinden aber nur 59,5 Prozent aus Großstädten setzen bei längeren Strecken ausschließlich auf das Auto. 24,7 Prozent der Großstadtmenschen nutzen häufiger als früher alternative Verkehrsträger und sogar 15,3 Prozent sitzen meistens in Bahnen oder Flugzeugen.

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Beruf

Signifikante Unterschiede zeigt die Umfrage zwischen Arbeitern, Beamten und Angestellten. 81,4 Prozent der Arbeiter sitzen immer hinterm Lenkrad, wenn sie mehr als 300 Kilometer verreisen. Bei den Beamten sind es nur 55,6 Prozent. Sie sitzen mit 24,8 Prozent heute auch häufiger als früher in anderen Mobilitätsträgern. Weitere 19,6 Prozent nutzen sogar meistens die bequeme Alternative.

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Kinder

Familien mit zwei Kindern nutzen zu 90,9 Prozent für längere Strecken ausschließlich ein Auto. Sie haben auch die geringste Neigung, auf alternative Verkehrsträger auszuweichen. Neben Kostengründen sprechen vermutlich die höhere Flexibilität des Autos sowie die Verfügbarkeit am Zielort eine entscheidende Rolle.

Einkommen

Nicht unbedingt signifikant, gleichwohl auffällig, zeigt sich eine tendenziell unterschiedliche Autonutzung in den Einkommensklassen. Bei Haushalts-Nettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro zeigt sich eine höhere Affinität zur ausschließlichen Autonutzung (73,2 bzw. 75,5 Prozent) als in Haushalten, deren Einkommen zwischen 3.000 und 4.000 Euro liegt (60,8 und 60,5 Prozent). Hier könnten die Anschaffungs- und Unterhaltskosten ausschlaggebend sein

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Bildungsstand

Ähnlich wie beim Merkmal Berufsstand zeigt die Umfrage, dass bei Personen mit einem höheren Bildungsabschluss die ausschließliche Autonutzug geringer ist, als bei Absolventen anderer Bildungswege (60,3 Prozent gegenüber 68,5 Haupt- und 71,1 Prozent Realschule und Ausbildung). Mit 16 Prozent signifikant häufiger nutzen Personen mit Abitur oder Hochschulabschluss meistens andere Verkehrsmittel.

Bundesländer

In ländlich geprägten Bundesländern ist die ausschließliche Autonutzung höher als in Stadtstaaten oder großen Ballungsräumen. In Hamburg und Berlin fahren heute deutlich mehr Menschen als früher Strecken über 300 Kilometer mit alternativen Verkehrsmitteln als in den östlichen Bundesländern aber auch in Baden-Württemberg oder Bayern.

Mobilitätsumfrage 2010
(PDF, 458 kB)